Dieser Artikel ist ein Plädoyer für die Pause und die Langeweile und ihre kreativen Folgen. Am Ende bekommst du noch 5 Tipps wie du in die Pause kommst und wie du sie nutzt für deine Kunst.

Pausen und Langeweile fördern deine Kreativität

Ich bin schon wieder ziemlich in meinem alltäglichem Stress und habe fast vergessen, wie wichtig Pausen sind für meine Kreativität und mich selbst.  Vielleicht hast du während der Quarantäne mal Momente gehabt, in denen du dich gelangweilt hast? So richtig gelangweilt? Du hast einfach nicht sofort die freie Zeit gefüllt, z. B. um auf dein Handy zu schauen? Vielleicht hast du bemerkt, dass du plötzlich  an was anderes gedacht hast, dass dir eine gute neue Idee gekommen ist? Wunderbar, denn Langweile fördert die Kreativität. Das Gehirn hat Zeit sich anders zu verknüpfen, so zu sagen weg von der gewohnten Gedankenautobahn rein in die verschlungenen Wege!

Auch wenn wir nicht gerade arbeiten, machen wir oft trotzdem keine wirkliche Pause, weil wir dann an unserem Handy hängen. Alle Lücken werden durch unsere Handys und die Social Media geschlossen und Langeweile kann nicht mehr auftreten. 2018 verbrachten weltweit Menschen 138 Minuten täglich auf den sozialen Medien, in Deutschland waren es 79 Minuten, was immer noch viel ist. Was könnte man alles wunderbares in dieser Zeit oder zumindest mit einem Teil der Zeit machen? Vielleicht auch einfach gar nichts machen und sich überraschen lassen.

In meiner Kindheit habe ich mich oft gelangweilt!

Als Kind war mir oft oft langweilig. Ich hatte das Gefühl, alle anderen wissen genau, was sie zu tun haben und sind sehr beschäftigt. Nur ich wußte nicht, was ich tun soll und langweilte mich. Manchmal machte es mich unglücklich, oft führte es aber dazu, dass ich anfing mich für irgend etwas, was mir gerade über den Weg lief zu interessieren. Denn in meiner Langeweile fing ich an zu beobachten.

Ich erinnere mich, ich stand in unserer Kleinstadt auf einer Brücke und beobachtete, wie das Wasser unter mir vorbei zog. Äste schwammen mit und zeichneten Muster im Wasser. Ich fing an das hoch interessant zu finden und ging dann ans Ufer. Ich schmiss Stöckchen ins Wasser und beobachte, wie schnell sie schwammen, wann sie wieder ans Ufer gespült wurden. Plötzlich fing etwas an mich zu interessieren und die Langeweile war vorbei.

Die Langeweile kann eine Tür öffnen, damit was Neues entstehen kann, ein neues Interesse und damit eine neue Suche. Wenn wir nie Pause haben, bleiben wir im alten Trott und machen immer das Gleiche. Das ist auch manchmal bei Künstlern zu beobachten, die plötzlich sehr berühmt werden. Sie sind so vielbeschäftigt und müssen produzieren für den Kunstmarkt, das sie es sich nicht mehr leisten können, was Neues auszuprobieren oder gar eine Pause zu machen.

Die Journalistin Manoush Zomrodi hat dazu einen wunderberen Tedtalk gemacht, wo sie auch alle wissenschaftlichen Untersuchungen zu dem Thema zitiert und erklärt, wie Langweile zu kreativen Ideen führt.

Das kreative Potenzial der Pause

Die Wertschätzung der Pause, des Müßiggangs können wir aus dieser Krise mitnehmen und sie auch in den nun beginnen hektischen Alltag einführen. Denn das ist deine persönliche Tür zur Kreativität. Diese Pausen brauchen wir um kreativ zu sein, um auf eine neue Idee zu kommen und nicht immer in den alten Pfaden zu stapfen. Sie helfen auch in eine andere Achtsamkeit zu kommen. Du siehst plötzlich was, was dir sonst nie aufgefallen wäre. Das kann ein Lichtspiel sein, ein Vogelgesang oder was auch immer.

In der Antike galt Muße als Ideal. Die Denker der Antike hielten die Muße mit ihren charakterbildenden und kreativen Möglichkeiten für wertvoll. Sokrates beschrieb die Muße als „Schwester der Freiheit“. Irene Galler

Als Künstlerin ist mir das mehr als bewußt. Wenn ich zu sehr mit all dem Alltäglichem beschäftigt bin, kann ich bestens funktionieren und alle Aufgaben abarbeiten, aber ich bin nicht sehr kreativ. Für meine künstlerische Kreativität, insbesondere vor einem neuen Projekt, brauche ich Zeit vor mir, einen See von Zeit. Es ist mehr eine Vorstellung, aber es ist die Zeit, die mir erlaubt, ohne Richtung und Ziel um eine Idee, ein Projekt oder was auch immer zu kreiseln. Daraus dann kann was Neues entstehen.

Da wir so wenig gewohnt sind in Pausen zu denken, ist die Schwierigkeit diese Pause als Pause zu verstehen und nicht gleich tausende andere Sachen nebenbei zu machen. Ich habe mich z.B. beobachtet, wie ich oft nebenher, wenn ich handwerklich arbeite noch einen Podcast höre. Das hat aber zur Folge, dass ich dann nicht mit meinen Gedanken wandern kann. Aber das Wandern der Gedanken führt zu neuen Ideen und bringt dich in deine Kreativität. Nicht umsonst haben viele Menschen beim Autofahren auf längeren Strecken ihre besten Ideen oder unter der Dusche. 

Fünf Tipps um in die Pause zu kommen und sie kreativ zu füllen

1. Entzug von Social Media

Richte vielleicht ein paar Stunden am Tag ein oder vielleicht auch einen ganzen Tag, an dem  du ein Art Detox von den sozialen Medien machst.  Ich kenne einige, die beruflich viel mit sozialen Medien arbeiten und Facebook von ihrem Handy verbannt haben. Das ist eine kluge Entscheidung, denn wir sind alle anfällig. Ich habe meine Abhängigkeit beobachten können, wenn ich damit experimentiert habe mit dem Entzug. Die Abhängigkeit zu erkennen ist der erste Schritt, um etwas zu ändern. Du wirst erstaunt sein, was du im wirklichen Leben alles wunderbares Beobachten kannst.

2. Bau kleine Pausen ein

Falls du im Homeoffice arbeitest, ist das wichtiger denn je, kleine Pausen für dich einzubauen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich überhaupt keine Pausen mehr mache, weil ich dauernd was zu tun habe. Das ist aber etwas, was uns ermüdet und unsere Kreativität tötet. Abgesehen davon irgendwann auch zum Burnout führen kann. Du kannst immer mal zwischendurch Pause machen. Z. B. wenn du merkst, dass deine Konzentration nachläßt. Schau aus dem Fenster, Stehe auf und bewege dich, strecke dich. Hol dir was zu trinken. Was immer hilft sind auch ein paar Atemübungen.Siebringen dich zurück in deinen Körper.

Ein andere guter Zeitpunkt für eine etwas längere Pause ist nach dem Essen. Nimm dir etwas mehr Zeit und renne nicht sofort wieder an den Computer. Diese Pausen helfen nicht nur deiner Kreativität sondern auch deiner Produktivität. Du bist frischer und hast mehr Energie. Setz dir einen Zeitpunkt am Abend, wenn du aufhörst zu arbeiten. Das wichtigste: eine Pause nicht sofort wieder zu füllen.

Ich habe beobachtet, dass ich wirklich Schwierigkeiten hatte, jetzt in dieser intensiven Computerzeit, mich überhaupt jemals vom PC zu lösen. Ich war danach noch nach der Arbeit am Computer und habe rumgedaddelt. Wenn ich die Entscheidung getroffen habe z.B. ins Atelier zu gehen, hat mir das sehr gut getan,  mich auch zentriert und meine Stimmung gehoben. Mir hilft auch nach draußen zu gehen, einmal um den Block oder in den Garten.

3. Zeiten des Müßiggangs

Richte dir in deinem Kalender Zeiten ein, die nicht besetzt sind, Blöcke für freie Zeit. Am besten ab und zu einen ganzen Tag. Einen Tag an dem du am Morgen nicht weißt, was du bis zum Abend getan haben wirst. Dieses ist Luxus pur insbesondere, wenn du Familie hast. Du kannst das aber auch zusammen mit deinem Partner oder Partnerin machen.

Dann immer, wenn du an diesem Tag was machen möchtest, gehe einen Moment in dich und frage dich: will ich das wirklich oder mache ich das nur, weil mir nichts anderes einfällt. Was habe ich noch nie gemacht, was könnte ich machen, was ganz anders ist, als was ich sonst mache oder wenn du es mit deinem Partner/in machst, fragt ihr euch das gemeinsam.

Du wirst sehen, es ist schwerer als du denkst. Wir Menschen haben die Angewohnheit immer wieder in unsere Muster zu fallen.  Wenn dir ein Tag zu lang ist, mache es einen halben Tag. Das ist auch schon was wunderbares  und deine Kreativität blüht auf. 

4. Was machst du in den Pausen?

Schau aus dem Fenster und beobachte, was da draußen passiert. Schule deine Aufmerksamkeit für die kleinen unbedeutenden Dinge.

Nimm dir Papier und Stifte und fang an zu dudeln. Vielleicht hörst du auch Musik dabei. So ist dein Kopf abgelenkt und du kannst besser umschalten. Lass dich von der Musik begleiten und inspirieren und lass deinen Stift einfach über das Papier ziehen, ohne viel nachzudenken. Wenn du dich darauf einlassen kannst, wirst du erkennen, dass du zwei Fliegen mit einer Klappe schlägst. Du erschaffst etwas aus dem vielleicht etwas Neues entsteht und du entspannst dich. Mit den Dudeln kannst du dann später weiter arbeiten.

5. Was möchtest du z. B. künstlerisches machen, wenn du mehr Zeit hast?

Setzte dich hin und schreibe es auf: zeichnen nach der Natur, mit Farbe arbeiten, einen Spaziergang machen, was auch immer du möchtest.  Schreib mindestens 5 Sachen auf und dann nochmal 5 weitere und nochmal 5 weitere. So kommst du langsam an das, was du wirklich möchtest. Das erste was kommt, mag noch von deinem „ich müßte mal“ bestimmt sein. Die letzten Sachen, die kommen, sind dann immer mehr davon bestimmt: „ich hätte Lust, aber traue mich nicht“. Da wollen wir hin.

Kreativität hat viel mit sich trauen zu tun. Je mehr du dich traust, desto eher wird deine Kreativität angetriggert.

Schreib es alles auf und mache eine Liste, so kannst du dich erinnern, wenn dir gar nichts mehr einfällt. Am besten fängst du gleich mit etwas an.

Ich merke, wenn ich mir wirklich mal Zeit nehme, dann kommt mir sehr viel in den Sinn und das ist eine super Sache, um auf neue Ideen zu kommen und mich von „wenn und aber“ zu befreien. 

Fazit

Pausen oder auch Langeweile helfen dir in deine Kreativität zu kommen und auch dich künstlerisch auszudrücken. Du steigst aus aus deinem Hamsterrad und fängst was Neues an.  Zeichnen z.B. kann schon so ein Akt des Aussteigens sein. Wenn wir uns hinsetzten und zeichnen, steigen wir ein in eine andere Welt. Wir sind hoch konzentriert auf eine Sache und das bringt uns komplett raus aus unserem Alltag in die Achtsamkeit des Beobachtens und Sehen. Gleichzeitig produzieren wir aber etwas. Das macht das Ganze so befriedigend.

Meine Kurse und auch meine Einzelsitzungen helfen dir genau darin . Vielleicht hast du ja Lust es mal aus zu probieren . Am 4. Juli beginnt wieder ein kostenloser Minikurs. Du erhältst 7 Impulse zum Zeichnen nachdenken und relaxen. Also da kannst du gleich umsetzen, was du vielleicht aus diesem Artikel mitgenommen hast.

Mach mit!

Ich freue mich natürlich auch über deine Erfahrungen in den Kommentaren.