italienische Dörfer

Italien als Ort der Kunst und Kreativität und Ort der Sehnsüchte

In diesem Artikel erzähle ich ein wenig aus meinem  Künstlerleben hier in Italien. Für viel Deutsche ist Italien ja immer das Land der Träume und der großen Sehnsucht. Ich lebe jetzt in Italien seit über 20 Jahren, ich habe hier einiges gelernt und auch einiges einfach ignoriert.

Italien ist ein wunderbares Land, wenn du als Tourist hierher kommst. Es ist ein schwieriger Fall, wenn du hier arbeitst und unter italienischen Verhältnissen dein Geld verdienen mußt.

Der Schöpfer hat Italien nach Entwürfen von Michelangelo gemacht. MarkTwain 1853-1910 Amerikanischer Schriftsteller

Es gibt dir viel und nimmt viel. Es ist anstrengend und kompliziert. Du lernst höchstmögliche Flexibilität und du lernst, das Glück sehr relativ sein kann und in den kleinen Momenten liegt:

  • Wenn die Sonne mal wieder so ein wunderbares Licht macht,
  • wenn du etwas vollgefressen mit ein paar Freunden dich über Essen und gute Weine unterhälst und alle Probleme recht fern sind,
  • wenn du mal wieder irgendeinen bezaubernden Ort entdeckt hast, an dem die Zeit stehen geblieben ist.

  Als ich hier ankam vor mehr als 20 Jahren dachte ich, ich mach mal einfach die Dinge so wie gewohnt. In Deutschland hatte ich mir gerade einen kleinen Ruf erworben als Kursleiterin für Bildhauerei und hatte gut gefüllte Kurse z.T private, z.T an der VHS oder auch in anderen Institutionen. Es lief eigentlich alles ziemlich gut.

 Mein Beginn in Italien

Aber dann hatte ich mich entschieden nach Italien der Liebe wegen zu gehen. In einem kleinen esoterischen Verein arbeitete mein Partner und die boten an, auch für mich Kurse zu organisieren. Es lief schlecht, ich dachte mir ein Kursprogramm nach dem anderen aus und hmm es ging. Das einzige was lief, waren Bauchtanzkurse bei einer Art VHS, wo ich wenig verdiente und eigentlich keine Lust mehr hatte, die zu geben, denn meine Bauchtanzzeit war irgendwie vorbei.

Kulturelle Unterschiede sind größer als gedacht.

Ich lernte ziemlich schnell die kulturellen Unterschiede kennen: Kleines Beispiel: Angelica wollte am Kurs mitmachen. Ich rief sie an, sie sagte „wow super habe ich schon ewig drauf gewartet. Ja ich komme bestimmt.“ Zweiter Anruf, dasselbe, dritter Anruf dasselbe. Am Morgen des Kurses oder vielleicht mit Glück am Abend vorher  5. Anruf, von ihr diesmal . Tut mir sehr leid aber meine Schwiegermutter…  Keine Ahnung, ob sie von vornherein nicht teilnehmen wollte, aber es mir nicht sagen mochte, ob sie ein bißchen teilnehmen wollte und ein bißchen nicht.  Schock Frustration, war ich nicht gewohnt.

Ich treffe Chiara, sie hat Beziehungen zu irgendwelchen Kunstmenschen. Ich zeige ihr meine Arbeiten, sie ist hellauf begeistert und sagt mir zu mir zu helfen. Beim nächsten Anruf und Nachfrage: „Oh tut mir leid, geht gerade nicht, der Mensch ist weggezogen  usw.“ Enttäuschung groß. Wahrscheinlich war ihr Enthusiasmus echt, nur er hielt leider nur solange,  wie ich mit ihr zusammen war. Dann war wieder was anderes interessant.Petersplatz in Rom

 

 Meine kleine Kurskarriere

Dann fing ich an mit Kinderkursen und an der deutschen Schule zu unterrichten. Meine Kurse waren super beliebt, aber ich konnte immer nur einen pro Nachmittag aus technischen Gründen geben und die Schule war 80 km von mir entfernt. Von Ausstellungen reden wir mal nicht. Schließlich fing ich an in Rom auszustellen, aber auch das war alles andere als ein Vergnügen. Viel „Complimenti e Auguri“ und das war’s.  Zusammen gefaßt die ersten 7 Jahre waren wirklich sehr anstrengend und sehr schwierig. Ich fühlte mich oft ein Fisch außerhalb des Wassers.

Dann konnte ich durch Glück und Zufall an einer amerikanischen Schule unterrichten und meine Einkommenslage änderte sich. Ich hatte jetzt einen regelmäßigen Job und dann sogar eine Festanstellung. Später wechselte ich dann zu den amerikanischen Unis, wo ich heute noch arbeite. Wer hätte das gedacht.

Meine Erwartungen in Bezug auf Ausstellungen hatte ich reduziert und sieh an, auch das lief wieder ein bißchen besser.

Was hat mir in dieser Zeit geholfen durchzuhalten?

Das wichtigste war vermutlich mein Partner. Er hat mich immer wieder unterstützt sowohl finanziell also auch psychisch. Das war ein großes Geschenk und hat mir sehr geholfen. Außerdem meine Kunst und die folgenden Punkte:

Die Schönheit von Italien

Es ist einfach, insbesondere für einen visuellen Menschen wie mich, immer wieder beglückend soviel Schönheit zu sehen. Manchmal, wenn ich durch eines dieser Dörfer hier gehe, kann ich es einfach nicht fassen wie alt und schön sie sind mit all ihrem leicht vergänglichem Charm, den Mauern, die am zerbröseln sind, aber seit hunderten von Jahren halten, die alten Bäume.

schönes Italien

Das gute Essen.

Immer wieder entdeckt man was Neues wirklich Leckeres. Man ist irgendwo eingeladen und bekommt was wirklich Raffiniertes zu essen. Alle genießen es und es wird ausgiebig über das Essen gesprochen. Man tauscht Rezepte aus und erinnerst sich an die Großeltern, wie die das gemacht haben und wie gut es dort geschmeckt hat.

Die Lebensfreude der Italiener und das laissez faire

Viel Italiener habe wirkliche Probleme finanzieller Natur. Gerade die Frauen haben oft doppel- oder dreifach Belastungen: einen Job, Kinder zu versorgen, zur Schule bringen usw. dann müssen noch Schwiegereltern versorgt werden. Wenn jemand im Krankenhaus ist, dann muss die ganze Familie antreten zur Versorgung usw. Aber sie finden immer Zeit für ein Pläuschchen und lassen sich den Genuss am Leben nicht nehmen. Es wird immer wieder gut gekocht, lustvoll gegessen, getrunken und gefeiert.

Das wunderbare Licht und die milden Winter

Dafür sind die Sommer allerdings vor allen Dingen heiß. Aber die Sommer bieten etwas ganz besonderes, nämlich die lokalen Feste. Die Italiener sind sehr stark ihren Traditionen verhaftet. Was wie alles im Leben seine Vor-und Nachteile hat. Aber von außen betrachtet und insbesondere als Tourist, ist es wirklich wunderbar anzusehen, wenn im Sommer in den Dörfern die Umzüge stattfinden oft mit Renaissance Kostümen. Dann sehen sie alle aus, als wäre sie einem Renaissance Gemälde entsprungen und bewegen sich auch so.

Man ißt zusammen, redet und freut sich seines Lebens, während irgendein Spektakel gerade abläuft. Meistens in Verbindung mit einer Prozession, denn die Kirche darf nicht fehlen.

In der Nähe von Rom lebend

Ich glaube jeder der viel mit Rom zu tun hat, entwickelt eine Art Hass/Liebe zu Rom. Rom ist einfach eine einzigartige Stadt und man kommt aus dem Staunen nicht raus. Schließlich haben über 2000 Jahre europäische Kultur hier ihre Spuren hinterlassen und sind immer noch überall zu finden.  Es ist auch alles aufeinander und übereinander gebaut ohne sehr viel Pietät und Rücksicht auf das, was war.

Rom die ewige StadtHier habe ich wirklich Kunstgeschichte gelernt und erlebt. Denn man versteht, woher die Renaissance ihre Inspiration gezogen hat, was sie wieder entdeckt hat z.B. die Perspektive. Wie sich dann das Barock entwickelt hat unmittelbar aus der Renaissance als logische Weiterentwicklung. Wieso faschistische Architektur immer so verkorkst scheint, weil sie sie sich an den Römern orientiert haben, aber dann die Proportionen nicht eingehalten haben. Da gibt es viel zu sagen.

Allerdings auf alltäglicher Basis mit Rom leben, ist nicht immer ein reines Vergnügen. Der Verkehr ist furchtbar, der öffentliche Nahverkehr noch furchtbarer. Wenn man in Rom leben will, ist es besser relativ viel Geld zu haben, weil sonst lebt man in der Peripherie, die nicht gerade sehr schön ist. Aber das ist ja mittlerweile in vielen Städten so. Deshalb leben wir auch auf dem Land.

 

 Rom zur Zeit des Coronavirus

Es ist im Moment in Rom sehr eigenartig. Irgendwie ist die Stadt den Römern zurückgegeben worden. Man bewegt sich frei und lässiger wieder durch die Innenstadt, weil einfach kaum Touristen da sind. Überall wird wieder italienisch gesprochen und irgendwie bei aller Miseria, ist es entspannend.

Auch hier ist mittlerweile das Fahrradfahren in Mode gekommen, so dass der Verkehr auch etwas entlastet wird. Die ökonomische Lage ist grauenhaft und Bar und Restaurant Besitzer wissen wirklich nicht, wie sie überleben sollen. Aber man erträgt es mit einer gewissen Nonchalance und die Familien rücken noch näher zusammen. Natürlich hofft man auch auf Europa und jetzt auch auf Draghi, der neue President und ehemaliger Chef der europäischen Bank und seine guten Kontakte nach Europa. Denn in Italien hilft immer, wenn man jemanden kennt, der jemanden kennt.

Fazit

Komm auf jeden Fall nach Italien und genieße das Positive. Im Moment sind auch die großen Touristenstädte wirklich ein wahrer Genuss. Die Sixtinische Kapelle mit 50 Leuten ist schon etwas sehr besonderes und auch ein einmaliges Erlebnis. Piazza Navona in seiner Schönheit und Pracht mit nur einigen wenigen zu genießen, hat auch was.

Das Licht, das Wetter und das Essen sind nicht vom Virus heimgesucht. Ganz im Gegenteil das Essen ist in den Restaurants sehr viel besser geworden, weil sie sich wirklich anstrengen müssen. Vielleicht haben sie auch wieder Lust zum Kochen. So habe ich das zumindest in Venedig im letzten Sommer erlebt.

In meinem Kunst- und Kreativurlaub in Italien, kannst du all das Positive genießen und von den anderen Seiten bist du verschont. Das Schöne ist einfach so überwältigend manchmal und ich kann mich gar nicht sattsehen. Das Dorf Collevecchio, wo unser Kurs stattfindet, hat einfach was einmaliges und bezauberndes, was man in Deutschland nicht findet. Der Aperitivo mitten auf der Piazza bringt einen dann auch mitten ins Dorfleben und du sitzt praktisch im Wohnzimmer des Dorfes. Jetzt etwas mehr aus Distance,  aber das macht eigentlich auch nichts. Gelacht und geplappert wird trotzdem ohne Ende.

 Hier kannst du dich auf die Warteliste setzten für meinen Kurs der vom 2. bis zum 9. Juli geht.

 

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