Diese Thema ist mir sehr nah. Einerseits ist mir bewusst, um wirklich meine Kunst machen zu können, muss ich feinfühlig und verletzlich sein. Aber um im Leben bestehen zu können und meine Brötchen zu verdienen, hatte ich immer das Gefühl, ich muss mir eine härtere Schale zu legen, insbesondere in dieser Welt des Kunstmarktes, wo mit sehr harten Bandagen gekämpft wird.

Es ging soweit, dass ich für ein paar Jahre gar keine Kunst mehr gemacht habe, weil ich mich dem nicht mehr aussetzen wollte und ich die beiden Seiten nicht verbinden konnte.

Ich wollte nicht mehr das Gefühl haben

  • Misserfolge zu ernten, wenn ich nicht den dicken Max markiere
  • nicht wirklich gesehen und wertgeschätzt zu werden,
  • das meine Inneres, was ich in meiner Kunst gezeigt hatte, mit Füßen getreten wird usw.

Kurzum, dass ich mich zu verletzlich mache mit meiner Kunst.

Ich habe einige Zeit gebraucht, um mich davon zu erholen. Aber der Wille, meine Kunst zu machen, war stärker und meine Ängste sind weniger geworden. Ich habe mit meinen Ängsten gearbeitet und habe angefangen mich wieder mehr selbst wertzuschätzen und auch meine Stärken zu sehen. Meine Verletzlichkeit macht mir keine Angst mehr, sondern ich weiß um ihre Bedeutung.

Beispiel aus dem Leben, wenn Menschen ihre Verletzlichkeit unterdrücken und stattdessen kontrollieren wollen

 

Gerade ist ein künstlerisches Projekt in seiner Anfangsphase von einer Kollegin beendet worden, in dem ich auch involviert war, weil sie mich und andere als feindselig empfand. In diesem Projekt  hatte sie offensichtlich wahnsinnig viel Angst und wollte daher alles kontrollieren. Anders kann ich mir gewisse Reaktionen von ihr nicht erklären. Das war genau der Punkt, wo der Konflikt ausbrach und viele der Beteiligten sich anfingen zu wehren. Sie wollten nicht in der Art und Weise kontrolliert und kommandiert werden. Das Projekt ist beendet, weil einfach zu viel Kontrolle und Angst, verletzt zu werden, im Spiel war. Es fehlte eine offene, aufbauende und konstruktive Atmosphäre.

Man könnte sagen es ist schlecht ausgegangen, ich denke es ist ok. Wenn ich Angst habe, meine Verletzlichkeit zu zeigen, ist die Situation nicht richtig für mich und es ist besser ich steige aus, denn ich kann nicht kreativ sein, wenn ich Angst habe.

 

Was passiert wenn ich Angst habe verletzlich zu sein:

 

  • ich fange an mich einzuschränken,
  • ich sage bestimmte Sachen nicht,
  • ich frage nicht nach,
  • ich handele nicht, wenn ich handeln müsste,
  • ich mache keine Vorschläge,
  • ich ziehe mich zurück.

 

Wir leben in einer Welt, wo immer mehr die „Starken“ versuchen zu regieren, die so tun als wären sie nicht verletzlich. Gleichzeitig schüren sie die Ängste der Menschen, denn wenn jemand Angst hat, ist er besser zu kontrollieren.

In Wirklichkeit sind wir alle sehr verletzlich auf vielen Ebenen.

Wir haben Angst

  • zurückgewiesen zu werden,
  • körperlich verletzbar zu sein.
  • vor Krankheiten,
  • vor Unfällen usw. .
  • nicht geliebt zu werden.

 

Alle Gefühle gehören zusammen, die Verletzlichkeit wie die Kreativität

Es gibt eine erstaunliche Untersuchung einer Amerikanischen Forscherin, Brene Brown, die in ihren jahrelangen Forschungen folgendes herausgefunden hat:

 

Menschen, die ihre Angst zeigen können,

Menschen die verletzlich sein können und dieses auch zeigen können und dazu stehen

sind eher in der Lage eine tiefe Verbindung mit anderen Menschen einzugehen,

sind glücklicher und kreativer.

 

Wieso sind sie dazu in der Lage?

Sie haben ein gesundes Selbstwertgefühl  und können deshalb das Risiko eingehen, diese anderen Emotionen zu zeigen. Das macht sie wiederum fähig Freude zu empfinden, Verbindungen einzugehen und auch kreativer zu sein. Also das eine geht nicht ohne das andere.

 

Was hat das alles jetzt mit dem künstlerischen Prozess zu tun?

 

Was brauche ich, um wirklich in meinen künstlerischen Prozess einsteigen zu können:

 

  • Ich muss meine Wahrnehmungskanäle öffnen
  • Ich muss bereit sein Risiken einzugehen
  • Ich muss meinen Perfektionismus zur Seite legen
  • Ich muss ganz offen sein und genau hin spüren, was durch mich kommen will.

 

Wie kann das funktionieren:

 

Ich bin meinen Ängsten gegenüber offen. Ich weiß, dass sie da sind und entweder nehme ich sie mit auf die Reise oder ich bitte sie mal Pause zu machen.

 

Kurzum ich bin verletzlich, ich kann mir das eingestehen.

Ich arbeite damit und ich weiß, ich brauche es nicht zu verstecken. Denn meine Verletzlichkeit kann auch meine Wegweiser sein und sie macht mich offen. Ich kann zu meinen Stärken stehen, weil ich mir meiner Schwächen bewusst bin.

 

Hier der Tipp für Dich, mit Deiner Angst und Deiner Verletzlichkeit umzugehen!

 

Du hast Lust auf Farbe, richtig bunt. Du hast das vorher aber nie getan, dann kann Dir das Angst machen. Angst vor Ablehnung, Angst, das Du Deinem eigenen Standard oder wessen Standard auch immer nicht genügst. Du hast irgendwelche fadenscheinigen Begründungen, um die Farbe dann doch nicht in der Form zu benutzen, wie Du es vor hattest.

Dann fallen Dir noch tausend andere Dinge ein,

  • dass Du doch lieber das machst, was Du immer schon gemacht hast, macht auch zu viel Dreck,
  • verstehst nicht wirklich was von Farbe und ihren Wirkungen und
  • was da noch so kommt.

In dem Moment, wo Du merkst, dass der Enthusiasmus nachlässt und dein Kopf anfängst zu viel vor sich hin zu quatschen(siehe oben), bist Du in der Angstschleife: Ich kann nicht.., es ist besser, wenn…, was soll das…, usw.

Es ist wichtig, dies genau zu beobachten.

Dann setze Dich hin, atme , entspanne Dich, eventuell merkst Du es auch in Deinem Körper, das er angespannt ist. Spüre, wo Dein Körper angespannt ist, richte einfach Deine Aufmerksamkeit dahin, ohne viel verändern zu wollen.

Vielleicht kommen Dir Gedanken, wo vor Du Angst hast. Sprich es aus. Bedanke Dich im Zweifel bei deiner Angst. Manchmal verschwindet sie dann schon, oder lade sie ein, zu einen Versuch gemeinsam einen neuen Weg zu gehen. Wie oder was auch immer Du machst, wichtig ist, Dir Deiner Angst bewusst zu werden und sie nicht zu verleugnen. Du kannst Dich auch mit ihr unterhalten und ihre einen Vorschlag machen, dass sie sich einfach  beruhigt. Die Angst kommt meistens aus einer anderen Zeit und sie möchte Dich warnen und gesehen werden. Ängste haben alle Menschen auch die Erfolgreichen. Sie können nur besser mit ihrer Angst umgehen. Du wirst merken, danach fühlst Du Dich freier und kannst wieder mit voller Energie weitermachen und das brauchst Du, um was Neues zu machen, mit Deiner Verletzlichkeit neben Dir.

Fazit

Deine Verletzlichkeit ist absolut notwendig für Deinen künstlerischen Prozess: Nur mit Deiner Verletzlichkeit an Deiner Hand, bist Du kreativ, kannst Du Dich wirklich auf Deinen eigenen Prozess einlassen. Brauchst Du dabei Hilfe können Dir Einzelsitzungen helfen, diese Arbeit gemeinsam zu machen und Dir zu zeigen, wie Du zu Deinen inneren Bildern kommst und ohne Angst mit ihnen arbeiten kannst. Du lernst, dass Deine Verletzlichkeit Dir hilft und Dich in Deinem künstlerischen Prozess unterstützt.

Ich freue mich über Kommentare über Deine Erfahrungen.

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